Der Dienstagszirkel

(Dr. O. Bahrs, Dr. M. Weiß-Plumeyer)

Im Unterschied zu vielen anderen Helferberufen fehlt im primärärztlichen Bereich eine systematische zugleich fachlich und emotional entlastende Supervision. Systematische und kontinuierliche interkollegiale Diskussion kann diesen strukturellen Mangel am ehesten kompensieren. Der Erfahrungsaustausch im hausärztlichen Qualitätszirkel ist – unabhängig von Thema und konkretem Ergebnis – eine Chance zur Überwindung der isolierenden, konkurrenzorientierten primärärztlichen Tätigkeit. Er wirkt durch seine strikte Erfahrungsbezogenheit als Form der Professionalisierung in der Gruppe. Die Arbeit im Qualitätszirkel ermöglicht besonders effektive Fortbildung, weil sie die Diskrepanz zwischen dem implizit für angemessen gehaltenem und tatsächlichem Verhalten erfahrbar macht. Die Wirksamkeit beruht darauf, dass nicht primär Wissensdefizite unterstellt werden, sondern am beobachtbaren Verhalten ansetzend danach gefragt wird, warum vorhandene Kompetenzen möglicherweise nicht wirksam werden.

Im Zentrum der Diskussionen im Hannoveraner Dienstagszirkel steht die Frage der Langzeitversorgung. Der ausschließlich von Hausärzten gebildete Arbeitskreis ist 1992 im Rahmen des Projekts 'Hausärztliche Qualitätszirkel' an der Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover entstanden. Probleme hausärztlicher Kreuzschmerzbehandlung, der Versorgung von Patienten mit chronischen Atemwegsbeschwerden, der häuslichen Pflege, dem Verhältnis von Krankheit und sozialem Umfeld sowie der Hypertoniebehandlung wurden jeweils zum Thema. In den bis 1997 durchgeführten 42 zwei- bis dreistündigen Treffen stellten die Teilnehmer themenbezogen ausgewählte Fälle zur Diskussion, wobei unterschiedliche Behandlungsprotokolle verwendet wurden (videodokumentierte Praxisgespräche, aufbereitete Karteikarten, Gutachten, Protokolle teilnehmender Beobachtung, Dokumentationsbögen). Externe Experten wurden fallbezogen hinzugezogen. Die Diskussionsergebnisse wurden in Protokollen und für die Gruppe zusammenfassenden Resümees ('Handlungsleitlinie') aufbereitet. Nach Auslaufen der Forschungsförderung 1994 wurde der Dienstagszirkel von der GeMeKo in Zusammenarbeit mit der Abteilung Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover organisiert: Bis 1997 moderierten den Zirkel weiterhin die Ärztin Dr. Martina Weiß-Plumeyer und der Medizinsoziologen Dr. Ottomar Bahrs. Seitdem wird die Gruppe in Eigenregie unter Moderation der Allgemeinärzte Frau Dr. Elisabeth Drimalla und Dr. Johannes Stroscher durchgeführt.

Der Dienstagszirkel ist als Gruppenarbeit

  • hausärztlich
  • kontinuierlich
  • fallrekonstruktiv
  • auf Behandlungsprotokollen beruhend
  • mit gezielter Einbeziehung externer Experten
  • problemzentriert
  • mit systematischer Dokumentation und
  • von Moderatoren unterstützt

hier download im PDF-Format

Publikationen