Projekt Brinkum

(Dr. O. Bahrs, Dipl.-Sozialwirt R. i.d. Beek, Dipl.-Biol. A. Klingenberg)

Selbsthilfegruppen haben sich in vielen Bereichen des Gesundheitswesens bewährt. Manche verstehen sich als autonome psychologisch-therapeutische Gesprächsgruppen und zielen auf Selbstveränderung. Andere akzentuieren die gemeinsame Auseinandersetzung mit sozialer Benachteiligung. Die Mitarbeit in einer Selbsthilfegruppe fördert die kommunikativen Kompetenzen und die Fähigkeit, sich mit seiner Situation auseinanderzusetzen. Selbsthilfegruppen ermöglichen Erfahrungen von Aufgehoben-Sein und Solidarität und sind in vielen Fällen auch unmittelbar therapeutisch wirksam.

Selbsthilfegruppen gewinnen in der öffentlichen Diskussion zunehmend an Akzeptanz, werden aber nach wie vor nur von einer Minderheit in Anspruch genommen. Die Deutsche Ärzteschaft propagiert inzwischen die Zusammenarbeit – aber Wunsch und Wirklichkeit klaffen noch weit auseinander. Das 'Projekt zur Förderung und Erforschung der Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen und Ärzten' (Projekt Brinkum) versuchte, Selbsthilfegruppen und Ärzte miteinander ins Gespräch zu bringen und ein Netzwerk aufzubauen. In vierteljährlich stattfindenden Foren stellten jeweils bestimmte Selbsthilfegruppen ihre Ziele, ihre Arbeit und ihre Probleme dar. Das im Frühjahr 1991 begonnene Projekt Brinkum wurde unter Leitung von Dr. Eberhard Hesse (Brinkum) in Kooperation des Arbeitskreises Allgemeinmedizin an der Universität Münster, der AOK Syke, der Release e.V. und der GeMeKo durchgeführt, wobei die GeMeKo die Verantwortung für die wissenschaftliche Begleitforschung übernommen hatte. Das Projekt wurde vom Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung und der AOK Syke finanziell unterstützt.

Das Projekt Brinkum förderte die Hilfe zur Selbsthilfe durch konkrete Unterstützung der Kooperation zwischen Ärzten und Selbsthilfegruppen. Aufgabe der Begleitforschung war es

  • Kooperationsbedarf zu explorieren
  • Formen der Zusammenarbeit zu analysieren
  • Hinderungsgründe zu beschreiben
  • über Handlungsmöglichkeiten zu informieren
  • die Entwicklung des Projekts zu dokumentieren
  • die Kooperation durch Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen
  • und die Ergebnisse systematisch aufzubereiten.

Nach anfänglichem Interesse in der Ärzteschaft beschränkten sich die Foren bald auf Treffen von Gruppensprechern unter Beteiligung einzelner Ärzte, die angezielte Annäherung zwischen Patienten und Ärzten gelang nur bedingt. Das starke Engagement des Gesundheitsberaters der AOK Syke, Rolf Henschel, verhinderte ein Versanden des Projekts, bis mit der dritten Stufe der Gesundheitsreform sich auch die Krankenkasse zurückzog. Der Gesamtprozess konnte nur unzureichend dokumentiert und erforscht werden, weil keine finanziellen Mittel für die ursprünglich geplante Vergleichsbefragung zur Verfügung standen.

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